Mäzene, Sponsoren, Spender und Werbung

(Text aus dem ehemaligen "Ratgeber Freie – Kunst und Medien")

Wohl dem, der einen Mäzen hat. Hinweise, wie man an einen solchen kommt, habe ich trotz meiner Bitte in der letzten und vorletzten Auflage dieses Ratgebers leider nicht bekommen.

Dennoch gibt es hier – im kleineren Maßstab – einige Chancen, die nicht unterschätzt werden sollten. Durchaus realistisch ist es, Sachspenden für öffentliche Aktivitäten zu bekommen. Dass ein örtliches Einrichtungshaus Mobiliar als Requisite oder ein Technikhaus Teile der Bühnentechnik für eine freie Theatergruppe kostenlos zur Verfügung stellt (und dafür im Programmheft erwähnt wird), ist nicht ungewöhnlich. Denkt mal nach, was da in Frage kommen könnte. Ein hannoverscher Fotograf bekam für einen Bildband mit Luftaufnahmen wochenlang den hauseigenen Heißluftballon der Norddeutschen Landesbank zur Verfügung gestellt. Eine Künstlerin bekam das Material für ihr Projekt "Bürolandschaften" kostenlos von der Firma Leitz. Kunstfreundliche Einzelhändler schalten vielleicht eine Anzeige im Programmheft. Auch Werbung im Theater gibt es längst: in der Pause per Dia auf eine Leinwand geworfen. Und selbst Geldspenden von Privatleuten und Firmen lassen sich mit etwas Aufwand akquirieren.

Wer solches "Fundraising" in größerem Umfang betreiben will, sollte sich allerdings ein wenig mit den steuerlichen Grundlagen befassen, die in den folgenden Abschnitten kurz dargestellt sind. Weitergehende Informationen und Anregungen findet man in der Zeitschrift "Fundraising Magazin".

3.5.1. Spenden, Sponsoring und Steuern - kleiner Grundkurs

Natürlich fallen Spenden dort am großzügigsten aus, wo der Spender sie von der Steuer absetzen kann. Und natürlich wäre es den Beschenkten am liebsten, wenn sie solche Zuwendungen nicht als Einnahme zu versteuern brauchten. Beides ist möglich. Aber leider nicht beides auf einmal. Jedenfalls sieht das Gesetz das so vor. Wer einen solchen Weg sucht, der eigentlich nicht vorgesehen ist, sollte sich auf jeden Fall mit einer versierten Steuerberaterin zusammentun. Und sich auf Nerv mit dem Finanzamt einstellen.

3.5.1.2. Spenden

Eine Spende ist erst mal ein Geschenk. Geht es an eine natürliche Person, so ist das die Privatsache des Spenders und mindert seine Steuerpflicht nicht. Die Empfängerin braucht es dann nicht zu versteuern, wenn sie es z.B. "zum Zweck des angemessenen Unterhalts" erhalten hat.

Interessanter wird es, wenn die Spende nicht an eine Privatperson, sondern an einen besonders förderungswürdigen gemeinnützigen Verein geht. Dann kann der Spender die Zuwendung als Sonderausgabe von der Steuer absetzen, und der Verein braucht die Spendeneinnahme nicht zu versteuern.

Allerdings ist das Geld damit erst auf dem Konto des Vereins und noch nicht auf dem der Künstlerin. Dorthin gelangt es, indem der Verein – je nach Satzungszweck – eine Ausstellung veranstaltet und den ausstellenden Künstlerinnen ein Ausstellungshonorar bezahlt. Oder ein Stipendium für Nachwuchsmusiker vergibt. Oder bei einer freien Theatergruppe eine Produktion in Auftrag gibt.

Für die Empfängerinnen sind das also wieder steuerpflichtige Einnahmen. Und doch kann sich das lohnen, weil im Zweifel ihr Steuersatz viel niedriger ist als der der Spender.

3.5.1.3. Sponsoring

Irgendwo zwischen den beiden Polen "normales Geschäft" und "Spende" ist das Sponsoring angesiedelt. Um falsche Hoffnungen gleich zu zerstören: Auch der Empfang von Sponsorengeldern ist nur für gemeinnützige Vereine steuerfrei. Das, was an Sponsorengeldern – sie es direkt oder auf dem Umweg über einen Förderverein – auf dem Konto eines Künstlers, einer Sportlerin oder einer Theatergruppe landet, muss immer versteuert werden. Ohne einen versierten Steuerberater lassen sich aus dieser Form kaum steuerliche Vorteile herauskitzeln. Wohl aber teure Fehler machen.

Sponsorengelder im steuerlichen Sinn dürfen weder ein reines Geschenk noch eine reine Werbefinanzierung sein. Das Finanzministerium definiert Sponsoring als eine freiwillige Zuwendung, für die der Geldgeber als Gegenleistung – vereinfacht gesagt – nur ein bisschen Werbung bekommt.

Konkret: Steht auf dem Plakat der freien Theatergruppe, im Programmheft und in Veranstaltungshinweisen lediglich "unterstützt durch ...", vielleicht mit dem Firmenemblem, aber ohne besondere Hervorhebung, so ist dies nach einer Klarstellung des Bundesfinanzministeriums vom Februar 1998 der Grenzfall, der als Sponsoring gerade noch akzeptiert wird.

Für den Geldgeber macht diese Differenzierung keinen spürbaren Unterschied. Ob Betriebsausgabe, Sponsoring oder (gemeinnützige) Spende – er kann die Zuwendung in jedem Fall von der Steuer absetzen. Auch die Geförderten müssen das Geld letztlich versteuern.

Ein gravierender Unterschied ist es nur für den gemeinnützigen Verein. Der darf Spenden und Sponsorengelder steuerfrei annehmen; Entgelte für Werbemaßnahmen müsste er dagegen als Einnahmen aus wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb versteuern.

Da liegt die Gefahr des Sponsoring: Das Risiko, dass das Finanzamt die Grenze zur aktiven Werbung als überschritten ansieht, ist groß. Und dann kann es teuer werden. Wer Sponsorengelder in größerem Umfang einwerben will, sollte die Verträge von Profis ausarbeiten (und prüfen) lassen.

3.5.1.3. Umsatzsteuer

Im Grundsatz genauso verhält es sich mit der Umsatzsteuer: Liegt ein Leistungsaustausch vor, so will das Finanzamt aus dem Sponsorengeld auch seinen Umsatzsteueranteil haben. Die Grenze hat es das Finanzministerium in seinem BMF-Schreiben IV D 2 – S 7100/08/10007 :003 vom 13. November 2012 definiert. Danach heißt es seither im Umsatzsteueranwendungserlass 1.1. Absatz 23:

"Weist der Empfänger von Zuwendungen aus einem Sponsoringvertrag auf Plakaten, in Veranstaltungshinweisen, in Ausstellungskatalogen, auf seiner Internetseite oder in anderer Weise auf die Unterstützung durch den Sponsor lediglich hin, erbringt er insoweit keine Leistung im Rahmen eines Leistungsaustausches. Dieser Hinweis kann unter Verwendung des Namens, Emblems oder Logos des Sponsors, jedoch ohne besondere Hervorhebung oder Verlinkung zu dessen Internetseiten, erfolgen."

Also Vorsicht: Das Logo des Sponsors auf der eigenen Website ist problemlos; unterlegt man es mit einem Link, kann allein das die Umsatzsteuerpflicht der gesamten erhaltenen Zahlung auslösen!

3.5.2. Fördervereine

Egal aber, ob man auf Spenden oder Sponsorengelder im steuerlichen Sinn aus ist: Wer die möglichen Steuervergünstigungen nutzen will, braucht auf jeden Fall einen gemeinnützigen Verein, der die Zuwendungen steuerfrei annehmen und dann (steuerpflichtig!) weiterverteilen kann. Einen solchen Verein können schon sieben Leute gründen, um dann Spenden für Projekte im eigenen Freundeskreis anzuwerben.

Viele freie Theater-, Musik- und Künstlergruppen schwören auf solche Vereine, weil sie Spendenquittungen ausstellen dürfen, mit denen der Spender seine Zuwendung dann von der Steuer absetzen kann. Ob das wirklich zu höheren Spenden führt, muss man im Einzelfall prüfen - der Aufwand für Vereinsgründung und Vereinsleben ist nicht ganz gering.

Voraussetzung dafür, dass der Verein die begehrten Spendenquittungen ausstellen kann, ist allerdings, dass er

Der letzte Punkt ist auch erfüllt, wenn ein Kunstförderverein die Spendengelder zu einem festgelegten Zweck an Künstlerinnen und Künstler weitergibt.

Spenden und Mitgliedsbeiträge an einen solchen Verein sind als Sonderausgaben absetzbar

Die Spendenquittungen dürfen die Vereine neuerdings selbst ausstellen; ein amtliches Formular (das freilich abgewandelt werden kann) findet man mit dem Suchwort "Zuwendungsbestätigung" auf www.bundesfinanzministerium.de im Internet.

Für den Verein sind alle Spendeneinnahmen und Mitgliedsbeiträge steuerfrei; Gewerbe- und Körperschaftssteuer auf andere Einnahmen ("aus wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb", z.B. aus Verkäufen oder Werbung) werden erst fällig, wenn diese 35.000 € im Jahr überschreiten.